| USA-TRIP.DE - Die abenteuerliche Reise zu Carl Zuckmayers Ziegenfarm | |||||||||||||||||||
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zurück - Inhaltsverzeichnis - weiter Gerd Küppers
- 4000 Meilen als Tramper durch die USA 11. Wunder gibt es noch Finanziell ging es mir relativ gut, denn ich hatte noch 100 Dollar. Wenn ich Suzie schon nicht wiedersehen sollte, wollte ich mir wenigstens ein Riesensteak und - zur Feier des Tages - ein Glas Wein in einem feinen Lokal gönnen. Dann wollte ich mir eine stille Ecke für die Nacht suchen. So ging ich an einen Brunnen, wusch mir Gesicht und Hals. In der Bourbonstreet fand ich ein Eßlokal. Zunächst mußte ich warten, bis ein Tisch frei war. Die Kellner boten mir mehrfach einen Sitzplatz mitten im Raum an. Es war mir plötzlich so, als sei ich hellsichtig, als ob eine innere Stimme zu mir sagte: Setz Dich ans Fenster. Ich folgte dieser Eingebung. Das Lokal war im Kolonialstil erbaut; die Fenster reichten fast bis auf den Boden. Von hier aus konnte die Bourbonstreet gut überblicken. Ich genoß mein Steak und den Rotwein. So feierte ich meine Ankunft in New Orleans. Was dann passierte, könnte sich ein Drehbuchschreiber ausgedacht haben. Ich kann nur versichern: So und nicht anders habe ich es erlebt: Draußen, vor dem Lokal ging eine Frau vorüber, die Suzie Bradley sehr ähnelte. Schnell lief ich aus dem Lokal, der Kellner glaubte, ich sei ein Zechpreller und lief schreiend hinter mir her. Ich tippte der Frau auf die Schulter. Sie drehte sich um, starrte mich an und dann schrie Suzie Bradley mir ins Ohr: "He, Bruder, bist Du jetzt vom Mond gefallen?" Jozip und Joan, eine französische Counselorin aus dem Camp waren ein paar Schritte voraus. Sie drehten sich um und waren für ein paar Augenblicke sprachlos. Dann gab es so ein Riesenhallo, so daß Leute auf der Straße stehen blieben. Ich zahlte, beruhigte den Kellner und dann nahm Suzie mich mit in das Appartement ihrer Freundin, um das ganz zufällige Wiedersehen zu feiern. Jozip fragte nach Pip. Ich erzählte ihm die ganze Geschichte. Jozip schüttelte den Kopf. "Wenn der nicht innerhalb von zwei Tagen nach New Orleans kommt, dann ist was passiert." Jozip sollte recht behalten. Joan war ebenfalls problemlos in Rekordzeit von New York zu Suzie getrampt. Wir feierten bis zum frühen Morgen. Dann durfte ich in einem hochkomfortablen Wasserbett meinen Rausch ausschlafen. Am nächsten Abend gab es Krach zwischen Suzie und ihrer Freundin, der das Appartement gehörte. Wahrscheinlich hatte das Mädchen nicht damit gerechnet, daß so viele Leute nach New Orleans kamen. Das drückte die Stimmung. Am Abend berichtete das Fernsehen von dem Blutbad, das palästinensische Freischärler an israelischen Sportlern während der Olympischen Spiele in München angerichtet hatten. Am darauffolgenden Abend sahen wir gemeinsam in einem Kino den Film "Clockwork Orange", der wegen seiner brutalen Szenen Filmgeschichte gemacht hat.( Ich fand es eine unglaubliche Frechheit, daß die Filmmusik hauptsächlich aus Werken Beethovens stammte). Die geballte Darstellung von Gewalt machte mir angst. Als Tramper am Straßenrand fühlte ich mich mehr gefährdet als der Normalbürger. Aber die Beispiele aus München und die Szenen aus "Clockwork Orange" zeigten auch, daß die Gewalt auch jene treffen kann, die sich sicher fühlen. zurück - Inhaltsverzeichnis - weiter
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