| USA-TRIP.DE - Die abenteuerliche Reise zu Carl Zuckmayers Ziegenfarm | |||||||||||||||||||
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zurück - Inhaltsverzeichnis - weiter Gerd Küppers
- 4000 Meilen als Tramper durch die USA 2. Ein fürsorglicher Ladenbesitzer Als ich meine Armbanduhr auf dem Boden des Rucksacks in ein Kästchen legte, nahm mir vor, sie in den nächsten drei Wochen nicht wieder herauszuholen. Nur am Sonnenstand und an Verkehrsschildern wollte ich mich orientieren. Ginger James, meine Freundin aus New York brachte uns mit ihrem Wagen bis zur Uferstraße des Hudson. Sie meinte: "Wenn ihr in zwei Stunden noch nicht weg seid, ruft mich an. Ich rette Euch". Wir sahen Ginger tatsächlich bald wieder. Denn während der rush-hour hatte kein New Yorker Lust, sich drei wildfremde Burschen ins Auto zu laden. Sie fuhr uns weiter, bis zur Washington-Bridge. Von dort nahm uns ein junger Mann mit, der in seinem VW-Käfer fünf Lampenschirme transportierte. Behutsam luden wir die Lampenschirme aus, quetschten uns zu dritt auf die hintere Sitzbank, vor uns die Rucksäcke. Der Fahrer stapelte die Lampenschirme über und neben uns. So fuhren wir geduckt und bewegungsunfähig aus New York heraus. In Teteboro, New Jersey, stiegen wir aus, als es bereits zu dunkeln begann. In einem Lebensmittelgeschäft wollten wir Proviant für die nächsten Tage einkaufen. In einer Ecke des Ladens plauderten drei ältere Männer. Wir kamen ins Gespräch, erzählten von unserer Absicht, nach New Orleans zu trampen. Doch die Männer rieten ab. Das sei viel zu gefährlich . "Es gibt soviel Kriminalität im Land. Fast jeder Amerikaner ist bewaffnet". "Was sagst Du dazu, Leonard?" rief einer der Männer in Richtung Ladentheke. Der Angesprochene war bei der Kassenabrechnung, wollte nicht gestört werden. Kurze Zeit später begrüßte er uns mit Handschlag und sprudelte hervor: "Leonard Bolton, mir gehört der Laden hier. Außerdem habe ich im Nachbarort noch ein Geschäft, das führt meine Tochter. Demnächst möchte ich ein weiteres Geschäft im übernächsten Ort eröffnen. Einen Partner hätte ich schon. Aber........." Der kleine quirlige Mann nannte Umsatzzahlen, schimpfte über die Steuerbelastung und die geringen Abschreibungsmöglichkeiten. Nachdem er seinem Ärger Luft gemacht hatte, fragte er freundlich: "Habe ich richtig gehört. Ihr Jungs wollt nach New Orleans? Da wollte ich auch schon immer mal hin. Hat aber nicht geklappt, weil meine Kinder schneller auf die Welt kamen als ich nach New Orleans." Dann fragte er besorgt: "Wo wollt ihr denn heute nacht schlafen?" Wir sagten, daß wir im nahen Wald unser Zelt aufschlagen wollten. Er warnte davor. Das Übernachten im Wald sei zu riskant. Wenn irgendwas passiere, könne man im Wald so schnell keine Hilfe holen. Und außerdem sei das verboten. Wenn die Polizei einen erwische, dann könnte es großen Ärger geben. Er berichtete von einem jungen Lehrer, der von der Polizei verprügelt worden sei, weil er unerlaubt gezeltet hatte. Bolton hatte die Ladenkasse in der Hand und schloß den Laden ab. Die Alten wünschten uns viel Glück. Wir wollten unseren Proviant bezahlen, den wir aus den Regalen genommen hatten., doch Bolton wies das Geld zurück. "Ich spendiere Euch das. Das könnt ihr ruhig annehmen." Wir schauten uns an. Waren wir hier im falschen Film? Da spendierte uns ein wildfremder Ladenbesitzer Brot, Käse, Speck und Getränke. Während wir die Vorräte in die Rucksäcke stopften, meinte Mr. Bolton.: "Aber jetzt mal im Ernst. Eine Trampfahrt nach New Orleans wollte ich immer schon mal machen. Das war mein Jugendtraum. Ich habe früh geheiratet und manches ist anders gelaufen. Und jetzt kommt ihr daher - als Ausländer - und macht es einfach, so als ob es ein Spaziergang wäre.... Ich kann nicht sagen, wie ich Euch beneide." Bolton brachte uns in ein Motor-Inn. Dort übernachteten wir in einem Zweibett-Zimmer. Auf seine Kosten? Wir wurden nicht schlau aus ihm. Vor Sonnenaufgang mußten wir jedenfalls das Inn durch den Hintereingang verlassen. Vermutlich hatte man uns "schwarz" einquartiert. zurück - Inhaltsverzeichnis - weiter
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