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20 März 2001 durch webmaster@usa-reise.de

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Gerd Küppers -
die abenteuerliche Reise zu Carl Zuckmayers Ziegenfarm

4000 Meilen als Tramper durch die USA

5. Zu Gast bei den Hippies - 2. Teil

Nach etwa 40 Meilen erreichten wir einen Supermarkt. Das Baby begann zu weinen. Pat legte es an die Brust, anschließend mir in den Arm . "Schaukel sie ein bißchen. Dann beruhigt sie sich wieder", sagte sie und ließ uns im Auto allein.

Nach einer halben Stunde kehrte sie zurück und belud die Ladefläche des Wagens mit Vorräten. Auf dem Beifahrersitz saß ich und wagte kaum zu atmen, denn Mary war soeben eingeschlafen. Wir fuhren zur Farm zurück. Kurze Zeit später rief Dan an. Er schlug vor, wir sollten zu Freunden auf deren Farm kommen. Rhona packte ein paar Sachen zusammen, legte das Baby wieder in die Tragetasche, der Hund fuhr auch mit. Die Haustüre blieb unverschlossen.

Inzwischen war es Abend geworden. Wir fuhren durch menschenleere Gegenden. Ich plauderte mit Rhona, als kännten wir uns schon seit ewigen Zeiten. Es kam mir etwas unwirklich vor, in Maryland mit einer mir völlig unbekannten Frau zu einem mir unbekannten Ziel durch die Dunkelheit zu fahren, hinter mir ein kleines Baby und ein angeschossener Hund.

Am Straßenrand winkte eine Gestalt. Rhona bremste scharf. Im Scheinwerferlicht stand ein junger Mann. Er humpelte auf den Wagen zu. Er wechselte ein paar Worte mit Rhona, dann stieg er ins Auto.

Er berichtete, daß er ein Jahr lang Soldat in Vietnam war und dort verwundet wurde .Sein Fußgelenk sei kaputt.. Es sei ein Wunder, daß er noch am Leben sei. Im Hospital hätten sie ihn wieder zusammen geflickt . Vor ein paar Tagen habe man ihn aus der Armee entlassen, jetzt sei er ein Teilinvalide.. und wolle geradewegs nach Hause. Der Linienbus habe ihn an der Haltestelle abgesetzt, jetzt müsse er noch einige Meilen gehen. Mit seinem steifen Bein sei das ziemlich schmerzhaft.

An einer Kreuzung stieg er aus. Nach etwa einer Stunde Fahrzeit erreichten wir eine Farm. Beim Aussteigen bemerkte ich einen durchdringenden Raubtiergeruch. In einer dunklen Ecke des Hofes war ein Löwe in einen Raubtierkäfig eingesperrt.

"Um Gottes willen Rhona, wo bringst Du mich nur hin?" fragte ich. Sie lachte. "Keine Angst, der kann nicht raus". Er gehört einem Freund, der hält den Löwen als Haustier.

Im Hof zählte ich 12 Katzen. In einem Zwinger kläfften drei Hunde. Rhona meinte, es sei der größte Privatzoo in der Gegend. Sie brachte mich ins Wohnhaus der Farm. Dort begrüßte uns Dan.

Der war erleichtert, daß alles gut gegangen war, stellte mich seinen Freunden vor. Es waren etwa dreißig Personen im Alter zwischen 20 und 3; die Männer trugen allesamt Vollbart und schulterlanges Haar, sahen aus wie die Pilgerväter. Sie saßen in einer großen Diele um einen Tisch versammelt. Das Essen wurde aufgetragen.

Die Tischgemeinschaft faßte sich bei den Händen, alle schlossen die Augen und einer der Männer summte einen Baßton, in den die anderen nacheinander einstimmten, so daß ich schon glaubte, ich sei von einem Bienenschwarm umgeben.

Dieser Summton hatte eine einschläfernde Wirkung auf mich, paar Minuten lang saß ich schlafend am Tisch, während die anderen bereits ihre Suppe löffelten. Nach dem Essen erfuhr ich, in welche Gesellschaft ich geraten war.

Ein hagerer Bursche mit unangenehm stechendem Blick nahm mich ein wenig zur Seite und fragte mich nach dem Woher und Wohin. Dann drückte mir eine Broschüre in die Hand. Auf dem Titel war eine Mariuhana-Pflanze abgebildet .

Er erläuterte mir, daß alle hier Versammelten einer religiösen Gemeinschaft angehörten. Sie glaubten, daß Gott in der Mariuhana-Pflanze wohne. Ich hatte schon einiges über amerikanische Religionsgemeinschaften gehört und gelesen: über die Quäker, die Mormonen, die Pietisten, Hugenotten, Protestanten, über die Amish-people. Aber eine Haschisch-Religions-Gemeinschaft war für mich völlig neu..

In den folgenden Stunden brachte die Hasch-Gemeinde ihrem Gott so manches Rauchopfer dar.

Ich schlief übermüdet auf einer Couch ein. Als ich in der Nacht wach wurde, lagen die "Gläubigen" auf dem Boden und in den Sesseln, lallten, sangen oder meditierten. Es war eine kuriose Situation.

Beim Frühstück sahen die Hasch-Jünger so elend aus wie die Mitglieder einer Karnevalsgesellschaft am Aschermittwoch. Das war schon eine komische Art von Frömmigkeit, die hier ausgelebt wurde. Rhona hatte nicht mitgeraucht, sondern ihr Baby versorgt und dem Hund einen frischen Verband angelegt.

Nach dem Frühstück zerstreute sich die Gesellschaft. Rhona stopfte mir Lebensmittelvorräte in den Rucksack und Dan kaufte mir in Baltimore, wo er geschäftlich zu tun hatte, eine riesige Plastiktüte mit Proviant.

Ich mußte es annehmen. Da gab es nichts.

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