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20 März 2001 durch webmaster@usa-reise.de

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Gerd Küppers -
die abenteuerliche Reise zu Carl Zuckmayers Ziegenfarm

4000 Meilen als Tramper durch die USA

5. Zu Gast bei den Hippies - Teil 1

Allmählich gewöhnte ich mich an das Leben am Straßenrand. Die gutheiße Sonne und die feuchte Luft trieben mir zwar den Schweiß aus allen Poren, aber es ging voran in Richtung Süden. Das Abenteuer hatte erst begonnen.

Inzwischen hatte ich Maryland erreicht; stand mittags in der prallen Sonne am Straßenrand und löffelte aus einem Joghurtbecher. Ein bärtiger Mann, vielleicht 25 Jahre alt, hielt an mit seinem VW-Käfer. Ich leierte mein Standard- Vorstellungssprüchlein herunter, das ich mir zurechtgelegt hatte:

"My name is Gerd. I am a German studtent, visiting the USA." Der Fahrer hieß Dan. Wir plauderten ein wenig. Als mein Joghurtbecher leer war, behielt ich ihn in der Hand.

"Was machst Du mit dem Becher?" fragte Dan. "Wenn ich aussteige, werfe ich ihn in den Müll", antwortete ich. Das schien Dan zu gefallen: "Das ist prima. Du hältst Amerika sauber. Ich gehöre zur Umweltschutzbewegung. Wir wollen Amerika wunderbar erhalten.. Viele Amerikaner haben gar kein Umweltbewußtsein. Die werfen alle möglichen Konserven einfach aus dem Auto".

Nach einer Weile fragte er: "Willst Du mit zu uns kommen? Ich lade Dich ein. Du kannst auch über Nacht bleiben.". Ich sagte: " OK. Ich komme mit. Ob ich bleibe, das sage ich Dir später." Dan bezeichnete sich als Pazifist. Den Vietnamkrieg hielt er für einen Irrtum und für ein Verbrechen.

"Nixon ist ein Lügner", sagt Dan." Wir trauen ihm nicht. Er hat schon viele junge Amerikaner auf dem Gewissen. Einige von meinen Kumpels sind aus Vietnam nicht zurückgekommen. Wir wollen den Krieg nicht. Love, happiness, peace. Daran glaube ich."

Wir bogen in irgendeinem Ort in Maryland vom Highway ab und fuhren in irgendein ländliches Gebiet. Ich hatte es bereits aufgegeben, mir die Namen von Ortschaften zu merken. Der VW holperte über einen staubigen Feldweg talwärts. Vor einer alten ehemaligen Getreidemühle hielten wir an.

Eine junge Frau mit einem Baby auf dem Arm kam uns barfüßig entgegen .Sie gab mir einen Begrüßungskuß auf die Wange, als sei ich ein alter Bekannter. Dan stellte sie vor: "Das ist Rhona, meine Frau und unser Baby, die kleine Mary. Sie ist gerade erst mal einen Monat alt." Ein Drahtfoxterrier, von oben bis unten bandagiert, humpelte ins Freie.

Ich fragte, was denn mit dem Hund los sei .Die junge Frau sagte, der Tierarzt habe ihm vier Gewehrkugeln ‘rausoperiert. Der Nachbar habe auf das Tier geschossen.

"Und warum?" fragte ich. Die beiden zuckten mit den Achseln. "Der ist verrückt. Er hat sogar zugegeben, daß er geschossen hat. Der mag die kleinen Hunde nicht. Nur große. Er sagte uns, es hat ihm sogar Spaß gemacht. Aber vor Gericht könne er das natürlich nicht zugeben. "

Ein Schauer lief mir über den Rücken. Trotzdem wollte ich bleiben, denn die jungen Leute schienen ganz ok zu sein. Ich nahm ein eiskaltes Bad. In dieser Mühle gab es momentan nur fürs Baby warmes Wasser aus dem Seitenfach eines uralten Herdes.

Als ich aus dem einfachen Badezimmer wieder in den Wohnraum zurückkam , war Dan schon wieder weggefahren. Rhona saß am Küchentisch und stillte das Baby. Sie stellte ein paar Fragen über das Leben in Deutschland. Doch dann war der Vietnam-Krieg wieder das beherrschende Thema.

"Sei froh, daß Du ein Europäer bist und vom Krieg nichts weißt.....", sagte sie. Da mußte ich sie korrigieren. Ich erzählte ihr von meiner frühen Kindheit, daß ich auf der Flucht geboren wurde, daß wir schließlich mit 12 Personen in einer Ruine gehaust hätten, die erst ganz allmählich wieder aufgebaut werden konnte.

Rhona war erstaunt. Sie schien gar nicht zu wissen, daß Amerika gegen Deutschland Krieg geführt hatte. Für die meisten Amerikaner ist Europa sowieso ein Ganzes. "Amerika hat so viele Kriege geführt", sagte Rhona "in Europa, in Japan, in Korea und jetzt in Vietnam".

Der Vietnamkrieg war für die meisten jungen Amerikaner bedrückend. Die meisten wollten den Krieg sofort beenden. Rhona erzählte, daß ihre Familie besonders betroffen sei. Ihr Bruder sei dort vermißt und ein Vetter sei umgekommen.

Viele Freunde seien nicht mehr aus Vietnam zurückgekehrt. Einige seien tot, andere verschollen, untergetaucht und desertiert. Jeden Tag müsse sie fürchten, daß auch Dan eingezogen wird . "Aber er wird nicht gehen", sagte Rhona bestimmt. Er wird sich sofort ins Ausland absetzen, wo man ihn nicht fassen kann. Das ist nicht unser Krieg. Das ist der Krieg von Präsident Nixon.."

Dann fuhren wir mit dem Zweitwagen der Familie zum Einkaufen. Die kleine Mary schlief in einer Tragetasche auf dem Rücksitz.

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