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Letzte Aktualisierung:
20 März 2001 durch webmaster@usa-reise.de

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Gerd Küppers -
die abenteuerliche Reise zu Carl Zuckmayers Ziegenfarm

4000 Meilen als Tramper durch die USA

3. Eine Nacht auf dem Friedhof - Teil 2

Ein älterer Mann fragte uns, woher wir denn kämen und wo wir die Nacht verbracht hätten. Wir erzählten ihm unsere Geschichte. Er meinte, man solle besser nicht in leerstehenden Häusern übernachten. Denn Privatbesitz sei den Amerikanern heilig. Und wer unerlaubt ein Grundstück betrete, sei schon mit einem Fuß im Knast.

Der gute Mann fuhr mit uns in ein Autobahn-Restaurant und bestellte uns ein kräftiges Frühstück. Wir plauderten über unser Vorhaben. New Orleans war ihm vertraut, als Flugzeugmechaniker sei er viel gereist. Als Frührentner sei das nicht mehr drin. Er vermisse den Kontakt zu Ausländern. Er freue sich immer, wenn er Ausländer treffe und so direkt etwas über das Leben anderswo erfahre.

Wir versuchten, an der Landstraße ein paar längere Lifts zu bekommen. Aber die meisten Leute fuhren nur ein paar Meilen. Trotzdem blieben wir auf der Landstraße, denn wir wollten ja mehr von Amerika sehen als nur die Highways.

Andererseits brachte uns das "Trampen über die Dörfer" nicht schnell genug voran.. Am Abend waren wir 50 Meilen weiter gekommen. Müde und total verschwitzt suchten wir ein Quartier für die Nacht.

Wir fragten in einer Polizeistation, wo man denn hier preiswert übernachten könne. Der wachhabende Polizist sagte im Vorbeigehen: "Es gibt bestimmt 30 Hotels in der Stadt.... Dann grinste er . "Ich weiß ja, was ihr wollt... Aber macht Euch keine falschen Hoffnungen, hier in der Polizeistation ist kein Platz für Euch. Es sei denn, Ihr seid Verbrecher. Dann müßt Ihr sogar hierbleiben." Er lachte schallend über seinen eigenen Witz. Pip und ich schlichen uns hinaus in die laue Sommernacht.

Wir stolperten am Straßenrand entlang, es nieselte. Der Asphalt spiegelte die Scheinwerfer und blendete die Autofahrer Sie erkannten uns erst spät, hupten wütend. Nach einer Stunde Fußmarsch war Pip völlig erschöpft. Wir saßen in der Dunkelheit im Regen am Straßenrand und wußten nicht, wie es weitergehen sollte.

Auf der anderen Straßenseite sahen wir eine größere Parkanlage oder etwas ähnliches. So genau konnten wir das nicht mehr erkennen. Rasch kletterten wir über den Zaun und breiteten unter den Sträuchern die Schlafsäcke aus. Ich schlief ‘mit einem geschlossenen Auge’. Mitten in der Nacht wurde ich wach und sah in 200 m Entfernung flackernde Lichter. Waren es Fackeln oder Laternen?

Als der Morgen dämmerte, sah ich, woher der nächtliche Lichterschein stammte. Wir hatten auf einem Friedhof übernachtet, in dessen Mitte ein großes Ehrenmal stand. Die Grableuchten und ein zeitweilig aufflackerndes Licht auf dem Mahnmal hatten uns den Schlaf geraubt.

Pip war mit den Nerven völlig fertig. "Eine Nacht auf dem Friedhof ist ein schlimmes Vorzeichen" orakelte er. Ich versuchte ihn zu beruhigen: "Pip, reg Dich nicht auf. Solange wir noch über der Erde liegen und aus eigener Kraft wegkommen, ist doch alles in Ordnung".

Doch Pip hatte keinen Sinn für schwarzen Humor. Er wurde abweisender, aß nichts und trank zu wenig. Immer öfter mußte er ausruhen. Bei einer Tankstelle fiel Pip plötzlich ins hohe Gras weil der Luftdruck eines dicht vorbeifahrenden LKW ihn aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Er rappelte sich mühsam wieder auf.

"Wenn Du weiterhin so wenig ißt, flatterst Du mir noch davon", schimpfte ich. Kurze Zeit später sagte Pip mir ade. Allein hätte jeder doch bessere Chancen als zu zweit, meinte er. Ich versuchte, ihn umzustimmen. Doch es half nichts. Pip war plötzlich verschwunden.

Später wurde bekannt, daß Pip in Baltimore ausgeraubt und zusammengeschlagen gefunden wurde. Er lag mehrere Wochen in einem Hospital.

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