| USA-TRIP.DE - Die abenteuerliche Reise zu Carl Zuckmayers Ziegenfarm | |||||||||||||||||||
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zurück - Inhaltsverzeichnis - weiter Gerd Küppers
- 4000 Meilen als Tramper durch die USA 8. Bei Fernfahrers daheim in Florida Jack parkte das Fahrzeug in einer Wohnsiedlung mit schlichten Holzbaracken. Die Vorgärten waren ungepflegt, die Zäune zerbrochen oder angefault. Unkraut wucherte in den Vorgärten. Ein paar Jugendliche lungerten am Straßenrand. Dunkelhäutige Menschen saßen vor den Häusern und palaverten. Die Sonne brannte erbarmungslos. Jack wohnte mit seiner Familie im Negerviertel von Jacksonville. Mit seinen Nachbarn verstand er sich gut, betonte er. Sein Haus war eine braungestrichene Holzbaracke, ziemlich klein und wenig gepflegt. Seine Frau war eine hagere fast knochige Person. Mit schriller Stimme kommandierte sie ihre kleinen Kinder .Jack stellte mich vor. Sie begrüßte mich mit einem kurzen Kopfnicken. Wir gingen eine Treppe hinauf in einen kahlen Raum. Ein Fenster war zerbrochen. Plötzlich zerrten drei kleine Jungen an mir herum und wollten mit mir spielen. Einer trat mir gegen das Schienbein, der andere wollte den Rucksack öffnen. Die Frau rief die beiden Jungen im schrillen Ton zur Ordnung. Sie rauchte ununterbrochen. Obwohl der Aschenbecher voller Kippen war, drückte sie weitere Kippen darin aus und schimpfte, weil ihr Jack den Aschenbecher nicht leerte. Jack ging an den Schrank und holte eine Flasche heraus. "Selbstgebrannter Whisky", sagte er stolz. Er goß zwei Wassergläser dreiviertel voll. Das Getränk roch wie eine Mischung aus Whisky und noch was. Das konnte Methyl-Alkohol oder Sagrotan oder Brennspiritus sein. Ich mußte mich schütteln. Jack trank sein Glas auf einen Zug leer. Ich nippte nur und sagte : "Das Zeug bringt mich um. Ich kann es nicht trinken." Jack nahm mein Glas und trank es leer. Er leckte sich die Lippen. "Ist schon was Gutes. Selbst gebrannt. Illegal natürlich." Seine Frau begann, mit Jack zu streiten. Er verdiene zu wenig, er solle endlich mehr Geld nach Hause bringen. Dann gab sie dem größten ihrer drei Jungen eine Ohrfeige, weil der seine kleine Schwester gebissen hatte. Die Frau schimpfte laut mit den Kindern, doch kurze Zeit später scherzte sie, nahm den Kleinsten, warf ihn in die Luft und fing sie dann wieder auf. Jack war schon beim dritten Glas "Whisky". Er verlangte etwas zu essen, doch seine Frau erklärte, sie habe noch keine Zeit zum Einkaufen gehabt. Jack verdrehte die Augen und lächelte mich verlegen an. "So ist sie eben". Seine Frau ging unruhig in der Wohnung umher. Dann gab sie mir die Hand und sagte: " Ich heiße Mary. Wie gefällt Dir Amerika?" "Mir gefällt Amerika immer besser", sagte ich. Mary lachte. Die Antwort gefiel ihr. Jack meinte, ich solle doch über Nacht hier bleiben. Das ging nicht, weil ich unbedingt nach New Orleans müsse. Ich werde dort schon erwartet, vielleicht sogar schon vermißt, log ich. Mary meinte, wenn ich schon nicht bleiben könne, dann wollten sie mir doch wenigstens ein gutes Essen spendieren. Ob wir nicht ins Lokal zum Essen fahren sollten. Ich konnte es nicht fassen. Die Armut dieser Leute war unübersehbar. Und trotzdem wollten mir, einem wildfremden Menschen etwas Gutes tun. "Ich habe massenhafte Vorräte im Rucksack", sagte ich, um die Einladung abzuwenden. Jack und Mary diskutierten lange hin und her. Dann fuhr Jack im Whiskynebel seine Familie und mich in einem alten verbeulten Ford Caravan raus an die Atlantikküste. Mary kaufte in einem Verkaufsstand am Meer frisch geröstete Krabben. Inzwischen entfaltete der Selbstgebannte bei Jack seine volle Wirkung. Er lallte: " Ja, die Mary, das ist meine zweite Frau, die hat vielleicht ein Temperament". Mit meiner ersten Frau hatte ich fünf Kinder. Aber die sind schon erwachsen. Mit Mary habe ich vier. Dann murmelte er noch etwas, lachte glucksend vor sich hin, lehnte sich zurück und schlief auf seinem Sitz ein. Nach einer Viertelstunde weckte ihn Mary unsanft und schimpfte ihn einen alten Faulenzer. "Der Faulenzer bin ich", sagte ich zu Mary. Dein Mann hat pausenlos gearbeitet". "Ich weiß", sagte Mary, strich ihrem Mann über das schüttere Haar und gab ihm einen Kuss. Dann aßen wir die Krabben aus dem Pappkarton. "Am besten fährst Du in Richtung Psssscola", lallte Jack und schlug mir auf die Schenkel. Es klang wie "Pepsicola". Erstaunt fragte ich, ob Pepsicola auch ein Städtename sei. "Das ist der beste Witz, den ich heute gehört habe", lallte Jack und alle wieherten los. Mary wischte sich die Lachtränen aus den Augen. Jack buchstabierte Penscola und zeigte mir diese große Stadt auf der Landkarte. Jetzt wußte ich Bescheid. Schließlich hörte ich den Namen der Stadt in diesem Moment zum ersten Mal. Noch einmal versuchten die beiden, mich umzustimmen. Ich solle doch über Nacht bei ihnen bleiben. Nachts zu trampen sei gefährlicher als am Tag. Im Süden der USA sowieso. Hier sei man auf Fremde nicht so gut zu sprechen. Ich log wieder, ich könne mein Mädchen in New Orleans nicht zu lange allein lassen. Jack blickte mich vielsagend an. Betrunken wie er nunmehr war, fuhr er mich zu einer Tankstelle. Da saß ich nun schon wieder und wartete. Florida, der Sonnenscheinstaat, stand auf allen Nummernschildern. Florida - das Paradies der Urlauber, die weiße Strände, die wunderbaren Bikinimädchen, das Dinner in einem vornehmen Restaurant. Das ist die deutsche Übersetzung für Florida. Doch ich saß hier wie der letzte Penner im Qualm der Autoabgase an einer Tankstelle. Im Schein der Reklamebeleuchtungen umschwirrte mich eine Armada von Nachtfaltern und Mücken. Auf dem Asphalt hüpften hundertfache Legionen von daumengroßen Heuschrecken umher. Die schwülfeuchte Luft machte das Atmen schwer. Selbst am Abend war es in diesem tropischen Klima für mich zu heiß. Selbstmitleid überkam mich für einen Moment. Ich reimte wehleidig: "Alle Deutschen sind am Strand, nur Gerd, der sitzt am Straßenrand." Doch dann stellte ich mir vor, ich wäre vor 200 Jahren in diese Gegend gekommen, um als Arbeiter mein Geld zu verdienen. Dann hätte ich den ganzen Tag in der Gluthitze schwitzen müssen. Und selbst am Abend hätten die Mücken uns nicht in Ruhe gelassen. Ich empfand tiefen Respekt vor allen Pionieren, die diese sumpfige Landschaft mit einfachsten Mitteln urbar gemacht hatten. Was sollten denn die Saisonarbeiter sagen, die auf den Baumwollfeldern oder auf den Bananenplantagen ringsum arbeiteten. Sie trugen die Hitze des Tages mit größter Würde. Und ich jammerte schon, wenn ich mal nicht am Strand liegen konnte!!! zurück - Inhaltsverzeichnis - weiter
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