| USA-TRIP.DE - Die abenteuerliche Reise zu Carl Zuckmayers Ziegenfarm | |||||||||||||||||||
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zurück - Inhaltsverzeichnis - weiter Gerd Küppers
- 4000 Meilen als Tramper durch die USA 20. Auf den Spuren von Carl Zuckmayer Nach 3500 Meilen hatte ich vom Trampen genug und wäre am liebsten mit dem nächsten Greyhound-Bus nach New York City zurückgefahren. Doch das letzte große Ziel meiner Reise wollte ich nicht auslassen: Die Backwoodsfarm in Vermont. Dort hatten die Zuckmayers während ihres Exils als Farmer gelebt. Daß Carl Zuckmayer sich freiwillig für das harte Leben eines Geißenbauers entschied, wie er sich selbst bezeichnete, das beeindruckte mich sehr. Er hätte in Hollywood mit kitschigen Drehbüchern viel Geld verdienen und üppig davon leben können. Die Beschreibung der Vermonter Zeit in seinen Erinnerungen "Als wär’s ein Stück von mir" faszinierte mich. Mehr noch: Dieser Ort, an dem er das Bühnenstück "Des Teufels General" geschrieben hatte, zog mich magisch an. So trampte ich doch noch weiter in Richtung Vermont, fand in der Nähe von Motels sichere Schlafplätze. Nachts wurde es empfindlich kalt im Zelt. Das war noch unangenehmer als die nächtliche Schwüle in den Südstaaten. In den Dorfstraßen bei Woodstock verfolgten mich kläffende Hundemeuten. Ihre Botschaft war eindeutig: "Hau ab, Fremder. Wer hier kein Auto hat, ist uns ausgeliefert." In einem Dorf rettete mich ein Jeepfahrer vor den aggressiven Kläffern. Ohne weitere Erklärung brachte er mich zum nächsten Polizeiposten, wechselte mit dem ein paar Worte und fuhr dann ohne mich weiter. Der Polizeiposten ("bin Constabler!!, kein Sheriff) prüfte zunächst meinen Paß und bat mich freundlich ins Wohnzimmer, das ihm zugleich als Büro diente. Besorgt fragte er, was ich denn in diesem menschenleeren Waldland suche. Ich zeigte und übersetzte ihm den Brief, in dem Carl Zuckmayer mir die Lage der Farm so poetisch beschrieben hatte. "Ich kenne hier jede Farm. Aber ich kenne keinen Zuckmayer und auch keine Backwoodsfarm. Da stimmt was nicht", argwöhnte der Constabler. Dann suchte er den Namen Zuckmayer im Telefonbuch. Ohne Erfolg. Ich erklärte ihm, daß Zuckmayer in Europa ein bekannter Schriftsteller sei. Kurz vor dem 2. Weltkrieg sei er vor den Nazis geflohen und habe als Emigrant auf der Backwoodsfarm gelebt. Ich zeigte auf das Wort "Backwoodsfarm" in Zuckmayers Brief. Der Constabler zuckte die Achseln: "Ist Ihr Mr. Sückmay jetzt nicht mehr dort?" Als ich verneinte, fragte der Polizist: "Warum wollen Sie bloß sein Haus besuchen, wenn dieser Mann nicht mehr dort wohnt? Ich antwortete: "Das weiß ich manchmal selber nicht so genau." Der verwirrte Constabler fragte seine Frau um ihre Meinung. Sie hatte unser Gespräch in der Küche mitgehört. "Sie rief amüsiert: "Er ist so was ähnliches wie ein ....Pilger". "You are crazy", rief der Constabler lachend. Das Mißtrauen war plötzlich aus seinem Blick verschwunden. Er lud mich ein, noch eine Weile zu bleiben. Während es draußen dämmerte, erzählte er mir von Deutschland. Aus einem Nebenraum holte er sein Kriegs-Gewehr hervor. In den Holzschaft hatte er auch deutsche Ortsnamen eingeritzt. Kampfstätten von einst. Als Soldat hatte er in Frankreich und Deutschland gegen die "krauts" gekämpft. Es sei schrecklich und grauenhaft gewesen. Er könne sich an alles genau erinnern. Viele Bilder von damals kämen immer wieder. Etwa eine Stunde lang berichtete er von seinen Kriegserlebnissen, bis seine Frau uns zum Abendessen in die Küche rief. Ich wollte ablehnen, doch der Constabler meinte: "Ich habe viel zu lange geplaudert. Habe gar nicht gemerkt, daß es schon so spät ist..... Iß nur. Danach suchen wir diese verfluchte Farm gemeinsam. Du alleine wirst sie im Dunkeln nicht finden." Nach dem Abendbrot machten wir uns in seinem Jeep auf die Suche. In der Nähe von Barnard klopften wir bei sieben Familien an die Haustüre, bis uns eine frühere Bekannte von Frau Herdan-Zuckmayer den Weg zur Farm beschrieb. Telefonisch trommelte sie ein "Empfangskomitee" zusammen. Als der Constabler und ich den den Zufahrtsweg zur lang gesuchten Farm emporfuhren, sahen wir bereits im Scheinwerferlicht zwei Autos und sechs Personen, die auf uns warteten. Der Constabler stellte mich vor und fragte, ob es den Schriftsteller Zuckmayer wirklich gebe. Wenn es ihn nicht gebe, dann müsse er mich sofort in Arrest nehmen. Dann käme ich wegen Lügen und Landstreicherei hinter Gittern. Die Anwesenden lachten über die gelungene Begrüßung und riefen durcheinander, es gebe einen Zuckmayer. Er habe hier mit ihnen zusammen gelebt. "Und was ist mit der Backwoodsfarm? Wieso kenne ich den Namen nicht?" wollte der Constabler wissen. Alle zuckten mit den Schultern. Es stellte sich heraus, daß diese Bezeichnung aus der Mode gekommen und längst nicht mehr gebräuchlich war. Der Constabler verabschiedete sich. Ich baute vor der staunenden Gesellschaft mein Zelt auf und wartete darauf, daß die Bagage endlich verschwand. Einer der Leute, Herr Smola, ein NSU-Händler meinte, das könne ich doch auf einem fremden Grundstück nicht machen. Eine andere Person, Frau Gürtler, schlug vor, ich solle doch bei ihr übernachten. Sie habe Platz genug. Doch ich ließ mich nicht von meinem Vorhaben abbringen, auf der Backwoodsfarm zu übernachten. Und so geschah es auch. In dieser Nacht wurde ich zwei Mal von einem heiseren Gebrüll geweckt. Es war irgendeine Tierstimme. Hoffentlich ist es kein hungriger Bär, dachte ich bei mir und schlief mit einem Auge weiter. Am nächsten Morgen waren sie wieder da: Der Constabler und Frau Gürtler. Sie waren erleichtert. Der Constabler sagte mir ade und steckte mir ein paar belegte Brote in die Tasche. "Schönen Gruß von meiner Frau", murmelte er. Frau Gürtler bereitete mir in ihrem hübschen Häuschen ein phantastisches Frühstück und erzählte Episoden, die sie mit den Zuckmayers erlebt hatte. Das einstige Backwoods-Farmgebäude schaute ich mir noch einmal an. Inzwischen wohnten andere Leute dort, die wohl verreist waren. Am Hauseingang steckte ein gelber Zettel mit einem Vermerk des Schornsteinfegers, daß er niemand angetroffen habe. Er bitte um eine neue Terminvereinbarung..... zurück - Inhaltsverzeichnis - weiter
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