| USA-TRIP.DE - Die abenteuerliche Reise zu Carl Zuckmayers Ziegenfarm | |||||||||||||||||||
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Gerd Küppers
- 4000 Meilen als Tramper durch die USA 1. Busreise oder Trampen - Teil 1 Jetzt reichte es mir. Als Austauschstudent hatte ich in den vergangenen 6 Wochen im Sommercamp NYDA geschuftet, diabetisch kranke Kinder aus New York City betreut. Das Camp lag inmitten eines Waldgebiets im Staat New York, am Fuß der Catskill-Mountains. Mein Arbeitsplatz war die "Overnight, " ein Campingplatz von der Größe eines Fußballfeldes. Zum Glück war dieses Gelände vom Hauptgebäude des Camps etwa 2 Meilen entfernt. Die Arbeit war anstrengend, machte aber dennoch viel Spaß, weil ich in meiner Waldeinsamkeit ziemlich unabhängig war. Die Kindergruppen des Camps kamen im Wechsel für je 24 Stunden in die Wildnis. Hier konnten die Großstadtkinder lernen, wie man ein Zelt aufbaut, ein Lagerfeuer anzündet, eine einfache Brücke über einen Bach baut oder einen Staudamm anlegt. Besonders die Kinder aus Harlem und aus der Bronx waren vom Leben in der Natur begeistert. Einige Kinder kannten den Wald bisher nur vom Fernsehen. Die Gruppenbetreuer (Counselors), waren überwiegend amerikanische Lehrerinnen und Lehrer, die sich in den Schulferien ein paar Dollars hinzu verdienten. Ich gehörte zur Gruppe der ausländischen Betreuer, die gekommen waren, um vor Ort die amerikanische Lebensverhältnisse kennen zu lernen - für ein Butterbrot und eine kostenlose mehrwöchige USA- Rundreise - nach der Arbeitsphase. Bei trockenem Wetter betreute ich die Gruppen rund um die Uhr. Die Stechmücken umschwärmten mich bei Tag und Nacht. Ich hätte gerne eine dritte Hand gehabt, um all die Schnaken zu erschlagen, die mich pausenlos stachen. Selbst das Mückenspray half nur kurze Momente. In einer offenen Feldscheune stand mein Feldbett. Drei Meter davon entfernt summte die Kühltruhe, in der die "Hamburger" lagerten, die ich schon morgens zum Frühstück briet. Tagsüber kam ich kaum zur Ruhe. Nachts weckten mich oft weinende Kinder oder ängstliche Betreuerinnen. Sehr unangenehm waren die Rakoons, die amerikanische Art der Waschbären. Angelockt vom Fleischgeruch kletterten sie nach Einbruch der Dunkelheit von den Bäumen und versuchten, die Kühltruhe zu plündern, was ihnen auch gelang, wenn sie nicht richtig verschlossen war. Manchmal turnten sie einfach nur übermütig auf der Bettstange oder hüpften über meinen Schlafsack. Zum Glück greifen sie Menschen nicht grundlos an. Dieser Zeltplatz war der einzige Ort, an dem die Counselors vor den Argusaugen der Campleitung sicher waren. An Regentagen, wenn die Zelte abgebrochen wurden, trafen sich an diesem Ort die Liebespaare, die im Camp ihre Zuneigung weder vor den Kindern noch vor den allgegenwärtigen Aufpassern zeigen durften. Auch wer kein Liebesverhältnis pflegte, kam nachts gerne ‘raus zum Zeltplatz, um zu plaudern, ein Pfeifchen zu rauchen oder um eine Flasche Bier zu trinken, die allerdings bis zum Flaschenhals in Papier eingewickelt sein mußte, so wie das Gesetz des Staates New York es vorschrieb. An regnerischen Tagen und sonntags hatte ich Zeit zum Lesen. Kein Buch interessierte mich mehr als die Lebenserinnerungen des Schriftstellers Carl Zuckmayer: "Als wär’s ein Stück von mir". Darin schildert er unter anderem, wie er bereits als 18jähriger Freiwilliger das Elend des 1. Weltkrieges miterlebte und schließlich in Berlin vom literarischen Außenseiter zum Erfolgsautor avancierte. Am meisten beeindruckte mich jedoch, daß er während seiner Emigrationszeit es nach einigen Versuchen ablehnte, seichte Drehbücher für die Filmemacher in Hollywood zu schreiben und statt dessen Geißenfarmer in Vermont wurde. Ja, Zuckmayers eigenwillige und geradlinige Lebensart war für mich beispielhaft. Ich nahm mir vor, diese Farm in Vermont einmal zu besuchen. Sie war ja nicht weit von New York entfernt. Ich dachte sogar daran, dorthin zu trampen und dabei die Ostküste näher kennen zu lernen. Bei dem Gedanken bekam ich allerdings zunächst Herzklopfen. Weil ich die genaue Lage dieser Farm nicht kannte, bat ich Carl Zuckmayer um eine Wegbeschreibung dorthin. Tatsächlich schickte er mir einen recht prosaischen Hinweis. Wie schon gesagt: Es reichte mir. Nun hing ich schon seit Tagen in einem New Yorker Hotel herum, das auch schon bessere Zeiten gesehen hatte. Zusammen mit anderen ehemaligen Betreuern wartete ich ungeduldig auf den Beginn der USA-Rundreise. Es konnte noch einige Tage dauern, bis alle Reiseteilnehmer aus ihren Camps endlich nach New York zurückgekehrt waren.
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